Das Band der Blasmusik


Lesung zum 15. Todestag von Ladislav Kubeš sen. (1924 – 1998) im Rahmen des Pfingstsonntags 2013 von Elfriede Fürnsinn

Wir gedenken heute besonders dem 15jährigen Todestag von Ladislav Kubes.
Er wurde am 23. Februar 1924 in Borkovice, einem kleinen Dorf unweit von Veseli nad Luzici in Südböhmen geboren. Sein Vater Matej Kubes war selbst Flügelhornist und Kapellmeister und brachte seinem Sohn das Tenorhorn-, Posaune- und Tubaspielen bei. Ladislav Kubes studierte Posaune am Konservatorium in Prag und spielte anschließend in verschiedenen Orchestern wie im Theaterorchester in Ceske Budejovice (Budweis) oder im Kurorchester in Marianske Lazne (Marienbad) mit. 1952 übernahm er die Leitung der Blaskapelle Veselka von seinem Vater.

Seine ersten Kompositionen entstanden während seines Militärdienstes bei der Militärkapelle in Jindrichuv Hradec (Neuhaus). Über 400 Kompositionen schrieb und bearbeitete er in seinem musikalischen Leben. Eine große internationale und gesellschaftliche Anerkennung bekam Kubes 1975 als er mit seiner Blaskapelle einen Empfang beim österreichischen Bundespräsidenten Dr. Rudolf Kirchschläger bekam. 1981 übergab Kubes die Leitung der Blaskapelle Veselka an seinen Sohn Ladislav Kubes jun.

Kubes dachte beim Komponieren seiner Stücke immer an den durchschnittlichen Musikanten, den es vor allem im ländlichen Bereich immer gab (und hoffentlich auch noch lange geben wird.) Deshalb sind seine Stücke praktisch von jedem Musikanten spielbar. Er komponierte über 300 Stücke, in denen seine tief verwurzelte Liebe zur Heimat und ihrer Bevölkerung ihren Niederschlag finden.Ladislav Kubes sen., von der musikalischen Muse reichlich beschenkt, lebte ein einfaches, bodenständiges und arbeitsames Leben. Er verstarb am 28. August 1998 nach einem erfüllten Leben.

Wir feiern bei diesem Fest aber auch 45 Jahre offizielle Partnerschaft, die durch eine Einladung vom damaligen Kapellmeister Adolf Zeller an Ladislav Kubes sen., mit einer Gruppe in Brand aufzutreten, begann. Der oft mehrtägige Aufenthalt in Brand fand immer unter Aufsicht von Kommissären des kommunistischen Regimes statt, da ja Fluchtgefahr aufgrund des überschrittenen Eisernen Vorhangs bestand. Die Musikanten wurden mit Waren des täglichen Gebrauchs beschenkt, da ein Auftritt gegen Gage im Ausland nicht erlaubt war.

Auch die Politik musste eingeschaltet werden, damit die Grenzen überwunden werden konnten: einige Mitglieder der Trachtenkapelle Brand mussten nach Hollabrunn ins Regionalbüro der Kommunistischen Partei fahren und um ein Parteischreiben bitten, damit Kubes sen. offiziell mit seiner Gruppe empfangen werden durfte. Der Kontakt zu Kubes sen. hielt bis zu seinem Tod im Jahr 1998.

Durch die guten Beziehungen zu Kubes sen., sind wir im Besitz von ungefähr 150 handgeschriebenen Originalkompositionen – ein unschätzbarer Wert und große Ehre. Andreas Schindl hat im Jahr 2009 diesen Kontakt wieder hergestellt bzw. erneuert. Ladislav Kubes jun. ist seit 2010 Schirmherr des „Böhmischen Traums“ und auch jedes Jahr zu Gast bei uns.

Musik kennt keine Grenzen. Sie ist eine universelle Sprache und wird überall auf der Welt verstanden. Mit Musik ist ein Stück Himmel auf die Erde gefallen. Jeder Mensch hat sein Leben in seiner ganz eigenen Melodie zu spielen, deren Partitur Gott geschrieben hat. Manchmal braucht es dazu einen langen Atem, und niemals kann die Lebensmelodie geprobt oder wiederholt werden. Immer aber, und davon sind wir zutiefst überzeugt, ist Sorgfalt, Liebe und Aufeinander-Hören notwendig um das Stück des Lebens zu spielen und Dissonanzen zu vermeiden.


Während des 2. Weltkrieges schon musste seitens der Trachtenkapelle öfters auf tschechische Aushilfsmusiker zurückgegriffen werden, wodurch dann Kontakte zum weltberühmten Komponisten Ladislav Kubes sen. geknüpft werden konnten. Diese Kontakte wurden in erster Linie vom späteren Kapellmeister Adolf Zeller hergestellt und begannen (leider gibt es darüber nur mehr Überlieferungen) im Jahre 1962. Der offizielle Beginn der Partnerschaft ist mit dem Jahr 1968 datiert, aus diesem Jahr gibt es eine Einladung von Adolf Zeller an Ladislav Kubes sen. mit seiner Gruppe hier aufzutreten.

Der oft mehrtägige Aufenthalt in Brand fand immer unter Aufsicht von Kommissären des kommunistischen Regimes statt, da ja Fluchtgefahr auf Grund des überschrittenen eisernen Vorhangs bestand. Die Musikanten wurden immer versorgt und mit Waren des alltäglichen Bedarfs nach Tschechien heim geschickt (u.a. Stoffe zum Kleidermachen). Eine Bedingung des Austauschs war außerdem, dass die Musikgruppe mit freier Kost und Logie versorgt wurde, gegen Gage durften die Musikanten im Ausland praktisch nicht auftreten.

Und auch die Politik musste eingeschaltet werden, damit die Grenzen überwunden werden konnten: Einige Mitglieder der Trachtenkapelle mussten nach Hollabrunn ins Regionalbüro der kommunistischen Partei pilgern, und um ein Parteischreiben bitten, damit Kubes sen. offiziell mit seiner Gruppe empfangen werden durfte. Dieses Schreiben ist heute noch in unserer Chronik einsehbar und hebt den völkerverbindenden Charakter hervor.

Natürlich kam auch bei der gemeinsamen Leidenschaft für Blasmusik der Spaß nicht zu kurz: Damals war man in unseren Breitengraden hoch angesehen, wenn man einen Krug mit 1l Bier spendierte. Dies war einfach was Besonderes. Als Kubes bei der Ankunft einen Krug Bier wollte, wurde dieser auch eingeladen, und erhielt einen 15l Bierkrug angefüllt (der selbstverständlich in unserem Ort hergestellt wurde – wir tragen ja heute noch den Namen Glaskunstdorf Brand-Nagelberg auf Grund der Stölzle Vergangenheit).

Auch die Qualität der Kapelle bei der Wiedergabe der Stücke steigerte sich auf Grund eines einfachen Rats von Kubes: „Polka ist zu schnell, Walzer zu langsam“!


Der Kontakt zu Kubes sen. hielt, wenn auch weniger intensiv ab den 80er Jahren bis zu seinem Tode 1998. Die noch heute in der Trachtenkapelle Brand vertretenen Musiker Anibas August, Macho Othmar, Illetschko Robert, Langegger Othmar, Macho Franz und Trisko Rupert sind lebende Zeitzeugen seit Beginn dieser Ära und haben auch heute noch nach einer sonntäglichen Probe bei einem guten Achterl Wein eine neue Geschichte aus längst vergangenen Tagen parat. Die Mitglieder der Trachtenkapelle waren oft auf Hausbesuchen in Tschechien (Zisov), mit der Besonderheit, dass man schon in der Einfahrt die Schuhe ausziehen musste.

Eine Folge der guten Beziehungen zu Kubes sen. war, dass die Kapelle mit ungefähr 150 noch handgeschriebenen Original-Kompositionen von Kubes sen. versorgt und damit auf dem Gebiet der böhmischen Unterhaltungsmusik im Bezirk führend wurde. Diese Noten werden heute noch mehrheitlich auf den dargebotenen Frühschoppen, so auch beim Blasmusikfestival „Der böhmische Traum“ teilweise auch mit mehrstimmigen Gesang wiedergegeben und am Leben erhalten und gepflegt. Durch die Bewahrung dieser Tradition sind viele alte Stücke, die damals schon trotz eisernen Vorhangs im ländlichen Raum von Südböhmen und im Waldviertel bekannt waren, auch bis heute der „nicht-musikalischen“ Bevölkerung ein Begriff und tief im Bewusstsein verankert.

Dies liegt auch daran, dass Ladislav Kubes sen. in seinen über 400 Kompositionen stets seine tief verwurzelte Liebe zur Heimat und der in Ihr angestammten Bevölkerung zum Ausdruck brachte und sehr volksnahe Texte verwendete. Dies verbindet Südböhmen und das Waldviertel sehr stark, mit aber unterschiedlicher Ausprägung des Bewusstseins darüber: Ein Frühschoppen in Tschechien ist wie ein Konzert voller alter Volksweisen, und die Bevölkerung kann nahezu alle Strophen mitsingen, das ist bei uns nur vereinzelt denkbar.

Ähnlich ist es mit dem noch jungen Stück „Böhmischer Traum“ von Norbert Gälle, dass nicht zuletzt auch durch das Festival in Brand auch nicht blasmusikinteressierten Menschen in der Region ein Begriff geworden ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Dies hat auch zwangsläufig zur Identifizierung der Bevölkerung mit dem Grundgedanken unserer Veranstaltung geführt und den Alltag der Bevölkerung in Brand positiv beeinflusst. So wurde eben gleichzeitig auch wieder der Kontakt zu Ladislav Kubes jun. gesucht, der durch Andreas Schindl wiederhergestellt wurde. Beim ersten Anruf im Jahre 2009 sagte dieser nur, dass er von Brand anruft, und mit dem nächsten Satz war klar, dass da etwas verloren gegangen ist, was nicht verloren hätte gehen dürfen: „Brand bei Gmünd? Ja ich kenne noch. Macho, Langegger, Zeller - ich kenne noch alle Namen. Wann ist böhmisches Fest? Ich komme.“

Daher ist Ladislav Kubes jun., der die südböhmische Polka (südböhmische Polka = langsam, mährische Polka = schnell) im Sinne seines Vaters weiterpflegt und mit seiner Gruppe Veselka verbreitet, seit Beginn des Festivals im Jahre 2010 auch Schirmherr und jedes Jahr zu Gast. Man trifft sich auch mehrmals im Jahr privat, um nicht ein zweites Mal so eine Freundschaft und Partnerschaft verlieren zu müssen.

Besonders viel Wert wurde im Jahr 2013 auf diese Partnerschaft, als wir 45 Jahre grenzüberschreitende Freundschaft im Zeichen der Blasmusik mit der Familie Kubes feiern durften und am Pfingstsonntag in der heiligen Messe den 15. Todestag von Kubes sen. gedenkten.

Viele der alten Stücke sind den Mitgliedern der Trachtenkapelle Brand nach wie vor so bekannt und geläufig, dass man sie auch beim Frühschoppen großteils auswendig spielen kann. Dass wohl Bekannteste dieser Stücke ist die Melodie: „Ganz nah an der Grenze“, schlichtweg 91er genannt, weil sie in den alten Notenbüchern auf Nummer 91 einsortiert war, die Noten aber schon im Kopf sind und auswendig gespielt wird. Dieser Titel beschreibt uns in Verbindung mit unserer Leidenschaft wahrscheinlich am Besten: Blasmusik ganz nah an der Grenze!